Mittwoch, 29. Juni 2011

US-Steuerverfahren: Jetzt sind auch die Privatbankiers gefordert.

Die Schweizer Privatbanken geniessen einen ausgezeichneten Ruf und halten sich stets diskret bedeckt. Doch nun drohen dem glanzvollen Image der Privatbankiers zweifelhafte Kratzer. Aktuelles Beispiel: Die Bank Wegelin, die sich ebenfalls mit Vorwürfen konfrontiert sieht, Kunden dabei unterstützt zu haben, Millionengelder vor der US-Steuerbehörde zu verstecken. 

Folgendes berichten "Der Bund" und "Tages-Anzeiger" am Mittwoch: In New York habe der Anwalt Keneth Heller gestanden, er habe 26,4 Millionen Dollar vor der US-Steuerbehörde in der Schweiz versteckt, anfangs bei der UBS und in den letzten Jahren bei der Bank Wegelin. Heller müsse fast 10 Millionen Dollar Steuern nachzahlen und Ende September, wenn sein Urteil verlesen wird, drohen ihm obendrein bis zu 15 Jahre Gefängnis.


Pikant dabei: Konrad Hummler, Chef der Bank Wegelin, langjähriger Präsident der Schweizer Privatbankiers und heute Verwaltungsratspräsident der NZZ, äusserte sich in verschiedenen Interviews kritisch zum Fall UBS und zu den amerikanischen Steuerbehörden. Anfänglich nahm seine Bank gemäss Tages-Anzeiger, wie viele andere Privatbanken auch, die von der UBS vertriebenen Kunden mit offenen Armen auf.


Interessant ist der Fall insbesondere aus kommunikativer Sicht: Wie in früherer Zeit die Grossbanken hüllt sich die Bank Wegelin jetzt praktisch in Schweigen. Der direkt angesprochene Konrad Hummler nimmt gar nicht Stellung. Und die Pressesprecherin redet die Situation klein: «Die Bank Wegelin ist nicht Prozesspartei und von diesem Verfahren nicht betroffen.» Auf die Frage, ob es denn für den Ruf der Bank nicht problematisch sei, wenn Kunden in den USA wegen Steuervergehen verurteilt würden, heisst es: «Neben diesen gibt es noch Hunderte anderer Fälle von Kunden, welche von der UBS zu anderen Banken gewechselt haben.»


Die St. Galler Privatbank hält sich also bedeckt, wiegelt ab, verweist auf angeblich andere betroffene Banken und redet das Problem insgesamt klein. Ein an sich typisches Verhalten, wie es in der Krisenkommunikation und in der Rechtskommunikation nicht angewendet werden sollte. Allerdings darf man davon ausgehen, dass die überwiegend gut situierte Klientel es Wegelin verzeihen wird – anders als etwa der UBS, welche den Imageschaden aus dem Steuerstreit mit den USA durch teure PR-Kampagnen mit zweifelhaft wirksamem Erfolg zu korrigieren versuchte. Überdies darf bezweifelt werden, dass beispielsweise die NZZ kritisch über ihren Verwaltungsratspräsidenten Konrad Hummler berichten wird.

1 Kommentare:

Mike hat gesagt…

Die Schweizer Privatbanken geniessen einen ausgezeichneten Ruf und halten sich stets diskret bedeckt. Doch nun drohen dem glanzvollen Image der Privatbankiers zweifelhafte Kratzer.

Nun erst? Bei wem haben Schweizer Privatbanken dieses glanzvolle Image?

Im Ausland hatten Schweizer Banken schon seit Ewigkeiten ein miserables Image, es sei denn, man wollte Steuern hinterziehen oder sonstiges Schwarzgeld in Sicherheit bringen. Und in der Schweiz erlebe ich täglich, wie miserabel das Image von Banken ist. Als Lohnempfänger muss ich Steuern bezahlen, die Banken hingegen zahlen keine und helfen anderen, das ebenfalls nicht zu tun. Daneben spekulieren sie ebenfalls auf meine Kosten, ziehen wertvolles Knowhow aus der produktiven Schweizer Industrie ab und so weiter. Viel tiefer kann man als Branche nicht mehr sinken.